robots-as-a-service-raas - Fortna

    Artikel

    Robots as a Service (RaaS) – das Richtige für Ihr Unternehmen?

    von Cheryl Falk

    Robots as a Service (RaaS), Roboter auf flexibler Abonnement-Basis, sind ein schnell wachsender Markt, denn sie treffen den Nerv von Unternehmen, die den steigenden Anforderungen des E-Commerce mit Kapazitätswachstum begegnen müssen.

    Es ist ein Geschäftsmodell, das sowohl für die Unternehmen, die die Technologien in ihrem Fulfillment einsetzen wollen, als auch für die Lieferanten der Robotiktechnologie Vorteile bietet. Aber ist es auch das Richtige für Sie?

    Laut einer Analyse von Coherent Market Insight wird der globale Logistik-Robots-as-a-Service-Markt, basierend auf einer jährlichen Wachstumsrate von 13,1 %, von 4,3 Mrd. US-Dollar im Jahr 2021 bis 2028 auf voraussichtlich 15,8 Mrd. US-Dollar wachsen.1

    Robotiklieferanten, die RaaS-Lösungen anbieten, tun dies in der Regel, um die Akzeptanz ihrer Technik zu fördern und finanzielle Hürden bei ihren Kunden zu beseitigen. Beim RaaS-Geschäftsmodell stellt der Roboterhersteller oder -integrator die Ausrüstung für einen vereinbarten Zeitraum mit einem Preismodell zur Verfügung. Das gesamte Leasing-Paket beruht dabei meist auf einer Kombination der folgenden Leistungsparameter:

    Zeit: Anzahl der Stunden, Tage, Wochen, Monate
    Systeme: Anzahl der Systeme oder Einheiten von Geräten
    Arbeit/Menge: Anzahl der kommissionierten/verpackten Einheiten
    Entfernung: Zurückgelegte Kilometer (für Lieferroboter)
    Services: Analyse, Berichterstattung, Datenspeicherung etc.

    Die Robotik-Lieferanten bieten zudem meist technischen Support, Echtzeitüberwachung, Wartung und andere Dienstleistungen als Teil der Vereinbarung.

    Warum nutzen Unternehmen zunehmend die Roboter-Leasing-Angebote? Der Grund liegt in einer Vielzahl von Einflüssen des Marktes:

    • Der Mangel an verfügbaren Arbeitskräften in vielen Branchen in Verbindung mit höheren Personalkosten aufgrund steigender Löhne und Aufwendungen zur Gesundheitsversorgung ist ein dringender Grund für die Automatisierung.
    • Die Kundenerwartungen hinsichtlich Geschwindigkeit und Fehlerfreiheit (next-day, same-day, same-hour delivery) sowie Just-in-Time-Bestandsstrategien erfordern schnellere Distributions- und Fulfillmentprozesse.
    • Die Notwendigkeit, die Abwicklung bei saisonalen Schwankungen schnell zu skalieren und die Flexibilität, bei Disruption schnell umzuschwenken, können durch eine leichte Infrastruktur direkter erreicht werden.
    • Das Leasing-Modell überbrückt etwaige Wissenslücken im Unternehmen, da der Kunde nicht gezwungen ist, das notwendige Robotik-Knowhow und Wartungskapazitäten selbst aufzubauen. Die notwendigen Fachkenntnisse stehen am Arbeitsmarkt aktuell kaum kosteneffizient und nachhaltig zur Verfügung.

    Zu den Vorteilen des RaaS-Geschäftsmodells gehört ein kürzerer Planungshorizont für die Implementierung schlüsselfertiger Lösungen, die es ermöglichen, externes Fachwissen einzubinden, anstatt es selbständig inhouse aufbauen zu müssen. Die Kapitalbindung ist in der Regel geringer als bei anderen Geschäftsmodellen und besteht hauptsächlich aus Betriebskosten, weniger aus Investitionen. Für Unternehmen mit einer geringer Risikobereitschaft oder Investitionstätigkeit kann die Einführung neuer Technologien durch ein solches Modell erleichtert werden, da es ihnen ohne langfristige Kapitalbindung ermöglicht, sich in die Welt der Robotik vorzuwagen.

    In einer Welt, in der Flexibilität und Skalierbarkeit von entscheidender Bedeutung sind, kann RaaS eine sehr attraktive Option sein, die eine nähere Betrachtung verdient. Bei der Abwägung, ob sie auch für das eigene Unternehmen in Frage kommt, sollten einige Punkte beachtet werden:

    Finanzen: Die Berechnung des Gesamtbedarfs muss alle erforderlichen Änderungen an Anlagen, den System und Kommunikationsnetzen berücksichtigen. Die wiederkehrenden Miet- bzw. Abonnementgebühren können recht hoch sein, und es können keine Abschreibungen geltend gemacht werden. Die Gesamtkosten sollten nicht nur mit der Option des 100%igen Eigenerwerbs inklusive selbständiger Wartung des Systems verglichen werden, sondern muss auch im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Analyse gegenüber praktikablen Alternativlösungen standhalten. Wir betrachten daher nicht ausschließlich die Robotik-Lösung, sondern setzen sie für Sie auch mit anderen, eventuell günstigeren Konzepten in Relation. RaaS-Vereinbarungen müssen robust sein und sorgfältig geprüft werden, um die Komplexität der Verantwortlichkeiten für die Technologie zu bewältigen.

    Cloud-Architektur: Robotikhersteller strukturieren die Architektur zur Ausführung ihrer Technologie unterschiedlich. Die notwendige Steuerungs- und Wartungssoftware ist dabei je nach Anbieter in unterschiedlichem Ausmaß Cloud-basiert und hat individuelle Anforderungen an die technische Umgebung beim Kunden. Überprüfen Sie daher die Anforderungen an Verfügbarkeit und Datenübertragungsraten von Netzwerk und Internet und auch alle weiteren erforderlichen Infrastrukturänderungen, bevor Sie einen RaaS-Vertrag abschließen.

    Berechnung der Kapazität: Die Herstellerangaben basieren meist auf einem Einsatz unter idealen Bedingungen. Die Berechnung der Anzahl der Bots, die Sie tatsächlich benötigen, ist komplizierter. Vergewissern Sie sich, dass Sie die Berechnungen zur Bestimmung der Anzahl von Robotern, der Ladestationen und der benötigten Bandbreite verstehen. Auch müssen Sie die Angaben zu Laufzeiten, Geschwindigkeit und Verfügbarkeit genauestens kennen, denn sie bestimmen die Leistungsfähigkeit der zukünftigen Abwicklung hinsichtlich Durchsatz, Positionen pro Stunde und anderen kritischen KPIs Ihres Unternehmens.

    Wartung: Bei RaaS kann die Wartung vor Ort ein Problem darstellen. Auch wenn ein Gerätehersteller vielleicht rund um die Uhr technischen Support anbietet, kann es trotzdem zu Wartezeiten auf den Techniker oder auf Ersatzteile kommen. Verfügen Sie über das technische Personal mit den nötigen Fähigkeiten, um den Support der neue Technologie zu gewährleisten? Je nach Größe Ihres Robotikflotte sollten Sie aus Gründen der Redundanz eine Mischung aus eigenen und abonnementbasierten Geräten in Betracht ziehen.

    Change Management:  Wie bei jeder neuen Technologie müssen Sie Ihre Organisation von oben bis unten darauf vorbereiten, neue Prozesse und oft auch neue KPIs zu akzeptieren und zu übernehmen. Rollenspezifische Kommunikation und Schulungen sollten in Betracht gezogen und in den Dienstleistervertrag aufgenommen werden. Wichtig dabei: Wählen Sie interne Vorreiter und Super-User aus, die andere begeistern, anleiten und führen können. Es müssen auch neue SOP (Abk. engl.: Standard Operating Procedure) Unterlagen und Schulungsmaterialien entwickelt werden.

    Geschäftskontinuität: Jeder Schlagzeile über eine neue Finanzierungsrunde in der Robotikbranche folgt eine weitere über die Fusion oder Übernahme eines Technologieanbieters. Konsolidierung und Produktalterung sind Realität, während diese aufstrebende Technologie Fuß fasst. Frühe Anwender von Kiva-Bots wurden von der Übernahme des Robotikunternehmens durch Amazon im Jahr 2012 überrascht. Stellen Sie sicher, dass Sie über stichfeste entsprechende Vereinbarungen mit Ihrem Lieferanten verfügen, um den Support für Ihre Roboterflotte und die Geschäftskontinuität Ihres Unternehmens zu gewährleisten. Berücksichtigen Sie die Kosten für den Austausch der Flotte, falls dies die einzige verfügbare Option für Sie werden sollte.

    Technologie-Roadmap: Einige der neuen Technologien, die heute auf dem Markt sind, stammen aus dem Robotiklabor, und es wird versucht, sie auf das Fulfillment zu adaptieren. Dies erfordert ein gewisses Maß an operativem Know-how, um praktische Einsatzmöglichkeiten mit vertretbarem ROI zu finden. Fragen Sie Ihren RaaS-Anbieter nach seiner Technologie-Roadmap. Scheint er sich auf die Lösung von Lagerproblemen zu konzentrieren? Verfügt er über betriebliche Erfahrungen, die in die Produktentwicklung einfließen?

    Lagerroboter bieten Lösungen für einige der schwierigsten Herausforderungen im E-Commerce und Omnichannel-Fulfillment von heute. Sie leisten hervorragende Arbeit bei der Verbindung von Automatisierungeinheiten innerhalb des Distributionszentrums und werden in immer mehr Kommissionier-, Sortier- und Verpackungsanwendungen eingesetzt. Robots-as-a-Service-Abonnementmodelle erlauben es Lieferanten, die Einführung von Robotern im Lager zu fördern, und bieten Entscheidungsträgern in Unternehmen eine Möglichkeit, diese Technologien wirtschaftlich zu nutzen.

    Fragen Sie sich, ob Roboter für Ihren Betrieb geeignet sind? Sprechen Sie mit uns und lassen Sie sich bei der Bewertung potenzieller Anwendungen für diese Technologien helfen: info@fortna-pierau.de.

    Aktuelle News und Insights direkt in Ihren Posteingang?

      Über die Autorin

      Cheryl Falk

      Sr. Vice President, Marketing & Business Development

      Cheryl Falk ist Senior Vice President, Marketing & Business Development bei Fortna. Sie verantwortet strategische Initiativen, die für unsere Kunden globales Umsatzwachstum in einer dynamischen und komplexen Geschäftswelt bedeuten. Sie verfügt über ein ausgeprägtes Verständnis für wichtige Trends und die Technologien der nächsten Generation. Als Ansprechpartnerin für C-Level Management unterstützt sie mit ihrer Vordenkerqualität bei der Erzielung gesetzter Geschäftsergebnisse.